Festgeld und Besteuerung von Erträgen

Auf die Zinsen von Festgeldanlagen wird die Kapitalertragssteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer fällig. Diese Steuer führt die Bank automatisch ans Finanzamt ab, es handelt sich um eine Quellensteuer, die an der Quelle ihrer Entstehung erhoben wird. Anleger können, müssen aber nicht den Ertrag in ihrer Einkommensteuererklärung angeben. Die Bank sendet dem Anleger einen Bescheid über den Ertrag und die abgeführte Steuer zu (in der Regel zwischen Februar bis April des kommenden Jahres, also vor der Fälligkeit der Einkommensteuererklärung). Das Finanzamt behandelt die Steuer als Vorauszahlung, eine Verrechnung mit Aufwendungen ist also nachträglich möglich.

Zinserträge unterliegen der Einkommensteuer

Zinserträge gehören zum Einkommen, die auf sie erhobene Kapitalertragsteuer gehört zur Einkommensteuer und entsteht nach § 44 EStG, Absatz 1 mit dem Zufluss. Das bedeutet im Zusammenhang mit der Erhebung an der Quelle (der Festgeldemittentin), dass sich der Anleger um die Abführung nicht kümmern muss. Mit dieser Konstruktion wird gewährleistet, dass die Erhebung punktgenau erfolgt. Hinsichtlich der Höhe der Steuer gibt es grundsätzlich auch die Möglichkeit, diese nach dem Einkommensteuertarif des Anlegers zu berechnen (“Gesonderter Steuertarif, § 32d EStG), was eine Angabe in der Steuererklärung und gegebenenfalls eine Nachzahlung bei einer großen Differenz zwischen der 25-prozentigen Steuertarif der Abgeltungssteuer und dem persönlichen Steuersatz des Anlegers erfordern würde. Dieser Fall ist bei Festgeldanlagen normaler Steuerbürger praktisch nicht anzutreffen. Inhaber großer Vermögen und Unternehmen mit sehr hohen Festgeldanlagen werden von ihrem Steuerberater darauf hingewiesen oder sollten sich gegebenenfalls danach erkundigen.

Berechnung der Kapitalertragsteuer

Zum Kapitalertragsteuersatz von 25% kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5% der Kapitalertragsteuer sowie für konfessionelle gebundene Bürger die Kirchensteuer von 8% oder 9% (abhängig vom Bundesland) wiederum der Kapitalertragsteuer. Wenn Kirchensteuer zu entrichten ist, wird eine kleinere Bemessungsgrundlage angesetzt, die Kirchensteuer ist abziehbar. Daraus ergeben sich je nach Höhe oder genereller Erhebung der Kirchensteuer die endgültigen Kapitalertragsteuersätze von:

  • 26,3750% (keine Kirchensteuer)
  • 27,8186% (bei 8% Kirchensteuer)
  • 27,9951% (bei 9% Kirchensteuer)

Es werden die vollen Kapitalerträge ohne Abzug besteuert. Nicht besteuert wird der Kapitalertrag bis zur Höhe des Sparerpauschbetrages von 801 Euro für Alleinstehende, 1.602 Euro für Verheiratete oder steuerlich gemeinsam veranlagte Lebensgemeinschaften. Es genügt, wenn der Anleger mit mehreren Spar- oder Wertpapieranlagen bei einer seiner Banken einen Freistellungsauftrag stellt. Die Banken tauschen sich über ein Netzwerk untereinander aus. Ein versehentliches, mehrmaliges Beantragen des Freibetrages ist nicht schlimm und hat keine Konsequenzen, der Freibetrag gilt bei der Bank mit den höchsten Erträgen oder wird unter den Erträgen aufgeteilt.

Entrichtung der Kapitalertragsteuer durch die Bank

Die Quellensteuer, also die Entrichtung der Steuer von der Stelle aus, wo sie entsteht (ihrer Quelle), ist nichts Ungewöhnliches, sämtliche Lohnsteuern etwa werden vom Arbeitgeber – der Quelle ihrer Entstehung – an das Finanzamt abgeführt. Genauso verhält es sich bei der Kapitalertragsteuer, die Regelungen finden sich im § 44 Absatz 1 EStG. Die Regelungen betreffen im deutschen Inland tätige (nicht nur hauptansässige) Kreditinstitute, also auch die Dependancen ausländischer Banken. Es gibt Ausnahmen, die Banken mit Sitz in Offshore-Gebieten betreffen. Die entsprechenden Regelungen können diffus ausfallen, im Normalfall sollte die Bank den Anleger darauf hinweisen, dass sie gegebenenfalls keine Kapitalertragsteuer abführt und der Steuerbürger somit selbst zur Erklärung und Entrichtung verpflichtet wäre. Solche Fälle sind nach Wissen der Redaktion (Stand: April 2014) im Bereich der Festgeldanlagen aktuell nicht anzutreffen, es gibt sie aber sehr vereinzelt bei Online-Brokern. Dieser Fall könnte indes eintreten, wenn sich das grenzübergreifende Online-Banking wie in den letzten Jahren weiter vehement entwickelt. Anleger sollten der Versuchung des Steuerbetruges bei den geringen Zinsenerträgen auf Festgeldanlagen widerstehen und bei Unklarheiten die Bank selbst und/oder ihren Steuerberater genauestens befragen. Wenn Unklarheiten auftauchen, beginnt das Finanzamt nachzuforschen und findet dubiose Vorkommnisse in allen möglichen Steuererklärungen, und zwar längst nicht nur auf die kleinen Kapitalerträge bezogen. Das möchte sich wirklich kein Mensch antun. Die Steuerabführung erfolgt durch die Bank anonym, der Bürger muss sich also keine Gedanken darüber machen, dass das Finanzamt von seinem Reichtum erfährt. Sobald das Geldinstitut die Steuer entrichtet hat, ist sie für den Privatanleger abgegolten, daher hat sie ihren Namen als Abgeltungssteuer (§ 43 Absatz 5 EStG). Die Erträge werden nicht nochmals im Rahmen der Einkommensteuererklärung besteuert (§ 2 Absatz 5b EStG), können aber in der Steuererklärung angegeben werden. Das kann manchmal sinnvoll sein, wenn das Finanzamt ansonsten fragen würde, wovon der Steuerbürger gelebt hat.

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